Von himmelhoch jauchzend bis zum Tode betrübt …

… genau dieser Eindruck bleibt nach dem Lesen von Theodor Fontanes „Effi Briest“. Ein Standardwerk, das viele in der Schule gelesen haben, außer wir Azubis und Volontäre. Daher haben wir das Buch in unserer Literaturrunde gemeinsam gelesen und besprochen.

Verliebt, verlobt, verheiratet – betrogen

Effi Briest ist ein 17-jähriges Mädchen, aus gutem Hause und naiv – wie es sich für ein Mädchen ihres Alters und des 19. Jahrhunderts gehört. Ungeachtet dieser Tatsachen wird Effi mit einem wesentlich älteren Herren, dem Baron Instetten, verlobt und kurze Zeit später verheiratet. Nachdem Effi mit ihrem Mann Instetten von der Hochzeitsreise zurückkommt, plagen sie bereits Ängste. Nachts hört sie schleifende, tanzende Geräusche, als würde in dem leeren Saal über ihrem Schlafzimmer jemand tanzen. Instetten nimmt sie weder ernst, noch geht er auf ihre Bedürfnisse ein. Effi ist vielmehr ein schmückendes Beiwerk, das sich auch auf sein berufliches Vorankommen positiv auswirkt. Daher ist es nicht verwunderlich, dass Effi irgendwann dem Charme des Majors von Crampas verfällt und seinen Avancen nachgibt … .

Ehre über allem

Sechs Jahre nach Effis Ehebruch findet Instetten, in Effis Abwesenheit, ein Bündel Briefe. Aus diesem geht hervor, dass Effi eine Liebelei mit Crampas gehabt haben muss. Instetten fühlt sich bei seiner Ehre gepackt und beschließt Crampas zum Duell herauszufordern. Das Duell geht zugunsten Instettens aus. Effi hat er verstoßen, ebenso wie Effis Eltern sie. Die gemeinsame Tochter darf sie auch nicht sehen. Effi wird todkrank. Drei Jahre später nehmen Effis Eltern, auf Anraten des Arztes, sie wieder zu sich nach Hause und vergeben Effi. Trotz allem stirbt Effi an einer Krankheit oder vielleicht an ihrem seelischen Leiden, der Autor lässt das überwiegend offen.

Die Schuldfrage

Über das Thema der Schuld haben wir Azubis und Volontäre zum Schluss ausgiebig gesprochen. Wir haben festgehalten, dass die Schuld nicht allein einer Person zugewiesen werden kann. Die gesellschaftliche Struktur, mit all ihren Normen und Konventionen, hat Mitschuld an Effis Ehedrama. Es ist kaum vorzustellen, dass eine 17-jährige schon bereit für die Ehe ist, doch früher war es üblich, dass Eltern ihre Kinder so früh verheirateten. Natürlich hat Effi sich schlussendlich auf Crampas eingelassen und trägt die Verantwortung für ihr Handeln. Dennoch sei gesagt, dass Instetten sie vernachlässigte und sich nicht um Effis Gefühle und Wünsche gekümmert hat. Kann man einem Mädchen dieses Alters also einen Vorwurf machen?

Wir danken unserem Kollegen Friedrich für die anregende Literaturrunde und freuen uns auf das nächste Mal!

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