Berufsschule: über Raritäten und Joker-Fächer

Eine gern gestellte Frage in Bewerbungsgesprächen um einen Ausbildungsplatz zur/zum Medienkauffrau/man Digital und Print von Bewerber:innen ist die nach der Berufsschule. Weil mich das Thema vor knapp einem Jahr selbst beschäftigt hat, finde ich es spannend, einen kleinen Einblick in den schulischen Teil der Ausbildung zu verschaffen.

Irgendwie sind Medienkaufleute eine Rarität…

Das war jedenfalls mein Eindruck in den letzten Monaten. Denn Freunde und Familie blickten mich oft mit fragenden Augen an, nachdem ich ihnen mitgeteilt hatte, welche Ausbildung es bei mir am Ende geworden ist. Dieser Eindruck hat sich auch in meiner „Mini-Recherche“ im Vorfeld dieses Beitrages bestätigt.

Die Ausbildung geht grundsätzlich drei Jahre. Mit einem Abitur oder einer abgeschlossenen Berufsausbildung, wird jedoch oft verkürzt. Auch ohne diese Voraussetzungen ist eine Verkürzung möglich. Bedingung hierfür ist eine gute Zwischenprüfung. Das angesprochene „oft“ von oben sieht beispielsweise so aus: In meiner Klasse sind aktuell 17 Schüler:innen und nur eine davon hat einen Dreijahresvertrag.

Glücklicherweise gibt es in Stuttgart, dem Hauptstandort des Verlag Eugen Ulmer, eine Berufsschule, die Medienkaufleute Digital und Print ausbildet. Denn viele davon existieren deutschlandweit leider nicht. Der Börsenverein des deutschen Buchhandels benennt auf seiner Homepage 25 Schulen. Darunter sind beispielsweise der mediacampus in Frankfurt sowie vier Schulen in Baden-Württemberg zu finden.

Ein kleiner Exkurs

Interessant sind auch diese Zahlen: Im Jahr 2020 schlossen 481 zukünftige Medienkaufleute ihren Ausbildungsvertrag ab. Im selben Jahr starteten laut dem Bundesinstitut für Berufsbildung rund 14.502 Menschen die Ausbildung zum/zur Industriekauffrau/-mann. Und mit 23.049 neu abgeschlossenen Ausbildungsverträgen, konnten selbst die Industriekaufleute, den Kaufleuten für Büromanagement keine Konkurrenz machen.

Was wir in der Berufsschule lernen

Aktuell besuchen die kaufmännischen Auszubildenden des Verlag Eugen Ulmer die Schule ein- bis zweimal in der Woche.

Das erste Lehrjahr befasst sich hauptsächlich mit dem Übermitteln wirtschaftlicher Grundlagen, die nicht ausschließlich der Buch- und Medienbranche zuzuordnen sind. Während man in Gesamtwirtschaft alles rund um den eigenen Ausbildungsvertrag, das Prinzip der Sozialversicherung oder auch Tarifverträge lernt, befassen sich BWL und SK (Steuerung & Kontrolle) mit Buchungssätzen, Abschreibungen, Marketing-Grundlagen sowie den verschiedensten Finanzierungsmöglichkeiten.

Da die Auszubildenden fast ausschließlich aus der Verlagsbranche kommen, dürfen auch Fächer wie Deutsch und Business English nicht fehlen. Neben BWL besuchen wir auch alle zwei Wochen ein BWL-Zusatzfach. Hierbei handelt es sich um eine Art Joker-Fach, in dem wir über medienrelevante Themen diskutieren. In unserem Jahrgang haben wir uns beispielsweise kritisch mit personalisierter Werbung auseinandergesetzt. Zudem werden auch aktuelle Fragen wie „Welche Auswirkung hat die potenzielle Musk-Übernahme von Twitter auf die Meinungsfreiheit in digitalen Räumen?“ besprochen.
Passend dazu setzen wir uns in Gemeinschaftskunde mit den Grundlagen politischen und gesellschaftlichen Handelns auseinander. Was ist der Sinn einer Partei? Was wird für die Gleichstellung von Mann und Frau getan? Oder sind wir in unserer Gesellschaft längst gleichgestellt?

Mich hat es selbst etwas überrascht, dass man im 1. Lehrjahr der Ausbildung kaum verlagsspezifische Themen behandelt. Dies wird sich jedoch im 2. Jahr ändern. In Bezug auf diesen Blogbeitrag bedeutet das: Fortsetzung folgt!

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