Müll, Müll, Sondermüll

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Stellen Sie sich vor, Sie haben zwei Dinge vor sich liegen…

Eine wunderbare, leere Konservendose und schöne Stoffreste in allen möglichen Farben.  Allein schon ein toller Zufall, dass diese doch recht unterschiedlichen Schätze einfach beisammen liegen. Normalerweise wäre zumindest einer davon längst in der nächstbesten Tonne gelandet, nachdem sein ursprünglicher Nutzen verloren ging. In diesem Fall wäre das zum einen die Verwahrung einer klassischen Konserve gewesen, möglicherweise Tomatensauce, und zum anderen ein Prä-Restzustand des Stoffes, vielleicht als Teil eines Ponchos.

Sie denken so darüber nach und plötzlich ist da dieser bahnbrechende Einfall: Warum wegwerfen, wenn es für diese Dinge doch noch so viele Möglichkeiten zur Aufwertung gibt?

Diesen Einfall hatten auch wir Azubis, und das Thema des Praxistests war entschieden. Upcycling sollte es sein, dieser „neumodische“ Trend aus der Weltenretter-Industrie, die es sich zum Ziel gesetzt hatte, nun ja, die Welt zu retten. Was man dafür braucht ist denkbar simpel, ein wenig Müll und Heißkleber, schon ist man im Besitz eines Upcycling-Starterkits. Unser Premium-Sortiment erstreckte sich von Tetrapaks und Klorollen über Stoffreste, Konservendosen und einen ausrangierten Pokal. Mit Beate Walthers „Upcycling im Garten“ hatten wir die perfekte Anleitung, aus diesen scheinbar wertlosen Dingen etwas zu machen, dass die Welt in Staunen versetzt – und den Garten in neuem Glanz erstrahlen lässt.

Das Grundkonzept bestand darin, jeden dieser Behälter in einen ansehnlichen Pflanzentopf zu verwandeln. Zunächst benötigten wir hierfür – selbstverständlich – Pflanzen, Erde, ein wenig Blähton und Setzlinge. Glücklicherweise konnten wir das alles recht schnell in hiesigen Baumärkten und Gartencentern auftreiben und direkt mit der Upcycelei loslegen.

Soviel Aufwand brauchte es am Ende auch gar nicht, aus den ausgemusterten Dingen etwas Schönes zu machen. Für die Dosen benötigten wir lediglich einen Bohrer, da hier zunächst keine Abflussmöglichkeit für Gießwasser oder Regen vorhanden war. Mit ein wenig Kraftaufwand konnten wir den Dosenboden aber dahingehend modifizieren. Metall traf auf Metall und unter ächzendem Krachen donnerten wir ein Loch nach dem anderen hinein. Wir verkünstelten uns mit verschiedenen Lochmustern, hatten die Dosen auf diesem Weg aber im Handumdrehen pflanzbereit.

Für alles Weitere nutzten wir das Allzweckmittel Heißkleber. Zwar wehrte sich die flüssige Gefahr mit allen Mitteln gegen unsere Versuche, sie schonend und sparsam auf die Dosen zu träufeln, nach kurzer Zeit hatten wir sie aber unter Kontrolle. Bald schon standen mit schönen Stoffen und Schleifen verzierte Pflanzenbehälter vor uns, die nur darauf warteten, mit Erde befüllt zu werden.

Die Klopapierrollen und Tetrapaks ließen sich dagegen quasi ohne Probleme upcyceln. Ein paar geschickte Scherenschnitte und schon konnten wir sie mit Blähton und Erde befüllen. Anschließend säten wir Katzengras und Kresse in unsere fertigen Werke. Kurz vor Feierabend platzierten wir alles möglichst geschützt vor zuviel Sonne und Regen.

Leider hatten wir die Rechnung ohne die Bewohner des Ulmer-Gartens gemacht. Neben einer kleinen, harmlosen Schnecke in der Gießkanne fielen während des ersten Wochenendes weitaus aggressivere Artgenossen über unsere frisch eingesäten Setzlinge und Tomatenpflanzen her. Zwei Pflänzchen scheinen dabei nachhaltig vernichtet worden zu sein, die anderen mussten wir von Schleim und Rückständen befreien.

Zusammenfassend können wir nun aber auf sehr schöne Dosen, Klopapierrollen und einen Pokal blicken, die allesamt Heimat gesunder Pflanzen geworden sind. Die Welt staunt, der Garten glänzt und die Azubis freuen sich über einen gelungenen Praxistest!

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4 Kommentare
  • Jonas
    20. Juli 2016

    Den Einstieg finde ich besonders gelungen. Die Mülltonne giert eben nach Nahrung! Deine Beschreibungen sind plastisch und lassen Bilder im Kopf entstehen – fast fühlt es sich an, als hätte ich die Dosen selbst durchbohrt und beklebt. Diese Wirkung erzielst du mit einigen Adjektiven weniger sicher ebenso: Vielseitige Adjektive kratzen am Textverständnis der Leser. Dagegen hast du bereits Substantive und Verben gefunden, die vor Aussagekraft strotzen (Weltenretter-Industrie, Upcycling-Starterkit, Löcher donnern).
    Der gesamte Text ist aktiv geschrieben, das macht Lust auf mehr und passt zum jugendlichen Aktionismus. Dein Schreibstil erfrischt, weiter so! 🙂

    PS. die Bildausschnitte mit euren Händen am Werk könnten einer Bibel für Gartenbauer entstammen – Top.

  • Lisa
    27. Juli 2016

    Echt tolle Fotos!
    Meiner Tomatenpflanze geht´s wunderbar 😉 Prima Idee!

    • Florian Ellenberger
      27. Juli 2016

      Danke Lisa, dann scheint sich die Upcycelei ja wenigstens zu bewähren! 🙂

  • Sabine Gutekunst
    3. August 2016

    Toller Kommentar von Herrn Klein. Das ist Motiavtion pur!