Nachwuchsparlament Berlin 2017

Spannend, aufregend, lehrreich, aber auch anstrengend – das sind die Wörter, die mir sofort in den Sinn kommen, wenn ich an die drei Tage in Berlin denke. Florian und ich hatten das große Vergnügen, am diesjährigen Nachwuchsparlament und an den Buchtagen des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels in Berlin teilzunehmen. Und es war grandios!

Jedes Jahr gibt der Börsenverein des Deutschen Buchhandels 100 Nachwuchskräften der Buchbranche die Möglichkeit, sich untereinander auszutauschen und sich zu vernetzen. Ziel dabei ist es, den jungen Leuten ein Forum zu bieten, um in einen Dialog miteinander und mit der Branche zutreten. Zusätzlich beschloss der Börsenverein, dass die Nachwuchskräfte ab diesem Jahr am Gesamtprogramm der Buchtage teilnehmen durften. Bei unseren tollen Texten über „Demokratie und Meinungsfreiheit als Grundlage unserer Branche“ konnten wir nur angenommen werden. 🙂

Der erste Tag – ankommen und loslegen

Um 13 Uhr ging es nach der Begrüßung gleich los mit einer Key Note von Frank Richter (Geschäftsführer der Stiftung Frauenkirche Dresden) über „Die Demokratie ist die einzige Staatsform, die gelernt werden muss“. Sehr interessant und mit viel Engagement erörterte er, warum wir unsere freiheitliche demokratische Grundordnung verteidigen sollten und wie wir der Versuchung entgehen können, autoritär zu denken und zu handeln. Bei der anschließenden Podiumsdiskussion stießen noch Herr Skipis und Herr Knaup (vom Spiegel) dazu, um über „Demokratie und Meinungsfreiheit“ zu diskutieren und Fragen aus dem Publikum zu beantworten.

Nach der Pause ging es mit verschiedenen Workshops weiter. Ich entschied mich für das Thema „Wie Publishing Startups und neue Verlage vom digitalen Wandel profitieren“, um daraus neue Ideen und Innovationen zu ziehen, die auch für unseren Verlag nützlich sein könnten. Am Ende ging es leider hauptsächlich um die Software Booktype zum Erstellen von Büchern, die natürlich sehr hilfreich bei der Arbeit zwischen Autoren und Lektoren ist und als Alternative zum Word-Dokument benutzt werden kann. Allerdings hatte ich mir mehr unterschiedliche Ideen erhofft, schließlich bietet die digitale Welt mehr Chancen und Nutzen für die Buchbranche als Booktype. Florian besuchte das Seminar „Bildung im digitalen Wandel“, das sich mit der Zukunft des digitalen Lesens und Lernens beschäftigte.

Anschließend gingen wir in Gruppen zu verschiedenen Buchhandlungen und Verlagen. Ich entschied mich für die Buchhandlung BuchBox!, die mich durch ihre lockere und aufgeschlossene Art auf ihrer Homepage überzeugt hatte. Und ich täuschte mich nicht – wir wurden lockerflockig begrüßt und unterhaltsam durch die kleine, aber feine Buchhandlung geführt und zu einem Kaffee eingeladen. David und Yann erzählten uns, wie sie durch Autorenlesungen, Übernachtungsfeiern, Conni-Parties und Kino-Abende versuchen, ihren Kunden nur das Beste zu bieten. Ich mache mir dabei keine Sorgen, dass dies nicht funktionieren könnte – schließlich kann man dort durch das Sammeln von Punkten den leckeren KNV-Wein gewinnen! 🙂

Der Tag wurde bei einem gemütlichen Get-Together in der Alten Pumpe und leckerem, hippen Essen in kleinen Gläschen beendet.

Der zweite Tag – Lernen und Feiern

Der zweite Tag begann mit der Sitzung des Nachwuchsparlamentes, in der die neuen Nachwuchssprecher gewählt wurden. Außerdem formulierten wir Wünsche und Anregungen, die unsere neuen Nachwuchssprecher an den Börsenverein übermittelten. Spannend war zu hören, mit welchen Problemen die Azubis anderer Unternehmen zu kämpfen hatten. Vor allem die Berufsschule war bei allen ein großes Thema, denn viele gute staatliche Berufsschulen schließen, aktuell gerade in Köln. Das zwingt viele Azubis, sich eine neue Schule zu suchen. Was einfach klingt, gestaltet sich oftmals jedoch schwieriger als gedacht: Den Mediacampus in Frankfurt beispielsweise können sich viele Ausbildungsbetriebe gar nicht leisten, die Kosten müssen von den Azubis selbst getragen werden. Oft haben kleine Buchhandlungen oder Verlage keine andere Wahl, als überhaupt nicht mehr auszubilden. Die sinkende Anzahl neuer Azubis in der Buchbranche lässt damit auch weiterhin deren Berufsschulangebote schrumpfen – ein Teufelskreis also! Noch viele weitere Probleme wurden angesprochen, die wir hoffentlich bald beheben können. Außerdem gründeten wir mehrere AG’s, wie zum Beispiel „Qualität der Ausbildung“, „Politische Bildung“ und „Nachwuchsförderung“, in der viele von uns über das Jahr verteilt zusammen arbeiten werden.

Um 11:30 Uhr wurden die Buchtage des Börsenvereins des Deutschen Buchhandles von Herrn Riethmüller offiziell eröffnet. Nach dem Mittagessen mit absolut leckerem (und viel zu kleinem) Nachtisch begann die Hauptversammlung. Natürlich wurde dabei auch das hochaktuelle Thema der Bildungs- und Wissenschaftsschranke besprochen, weshalb der Bundesminister für Justiz und Verbraucherschutz, Heiko Maas, als Redner anwesend war. Ich war sehr gespannt, mit welchen Argumenten er die Veränderung dieses Gesetzes verteidigen würde. Klarheit im Gesetz, Interessensausgleich zwischen Autoren, Verlegern und Bildungseinrichtungen sowie die Verbesserung der internationalen Wettbewerbsfähigkeiten waren nur einige davon. Auch wenn manche Aussagen beider Seiten einen etwas spöttischen Tonfall hatten, meisterte Herr Maas seinen Auftritt in der Höhle der Löwen sehr souverän – doch Zustimmung konnte er vor den Vertretern der Buchbranche natürlich nicht erwarten. Trotzdem fand ich das Aufeinanderprallen der unterschiedlichen Meinungen äußerst spannend!

Nach der Besprechung der Finanzen des Börsenvereins, der Genehmigung des Budgets für das nächste Jahr und den Ehrungen von Thomas Wrensch und Thomas Bez (dem ich übrigens meine gute Note in der mündlichen Bachelor-Prüfung über Barsortimente verdanke :-)) durften die Nachwuchssprecher dem Börsenverein unsere Anregungen vortragen. Unsere Wünsche und Anregungen kamen sehr gut an und so hoffen wir, dass wir diese bald angehen können. http://www.boersenblatt.net/artikel-buchtage_berlin__empfehlungen_des_nachwuchsparlaments.1341427.html

Das Mitgliederfest fand im Sommerclub „Haubentaucher“ statt – beeindruckend kann ich da nur sagen! Auf superhippen Chillout-Liegen, umgeben von Palmen und mit Blick auf den Pool, konnte man bei leckerem Wein den Tag entspannt ausklingen lassen. Ein riesiges Barbecue-Buffet versorgte die Gäste mit leckerem Essen und der Service brachte immer Nachschub an Wein oder Bier. Im Zeichen des deutsch-französischen Austauschs kam der franko-ruandische Autor und Musiker Gaël Faye und unterhielt die Gäste mit seiner Musik. Ein gelungener Abend!

Der dritte Tag – Buchtage und Abreise

Etwas müde begannen wir den dritten Tag mit dem Programm der Buchtage (https://www.boersenverein.de/de/portal/Buchtage_Berlin_2017_Ablauf_und_Programm/1309403). Auch dieser er stand ganz im Zeichen des deutsch-französischen Austauschs, denn die französische Buchbranche steht vor ähnlichen Problemen und Herausforderungen wie die deutsche. Es gab viele Veranstaltungen, die Florian und ich leider nicht alle besuchen konnten. Entschieden haben wir uns zum einen für die Podiumsdiskussion „Kunst & Demokratie: Literatur, Kultur, Zensur“, bestehend aus französischen und deutschen Vertretern der Buchbranche. Maßgeblich für die Diskussion war der Einfluss von Kunst und Kultur auf die Politik. Denn oft bestehe das Risiko, dass Künstler instrumentalisiert und für Propagandazwecke missbraucht werden, meinte die Co-Präsidentin des Deutsch-Französischen Kulturrats. Wichtig wäre es, dass die Freiheit der Gedanken geschützt sei – und da stimmten ihr alle zu! Vor allem im Hinblick auf Deniz Yücel und anderen Journalisten, die aufgrund ihrer Meinungsäußerung inhaftiert wurden, ein sehr wichtiges Thema in der Buchbranche.

Nach dem Mittagessen gingen wir zum „Who is Who der Interessengruppen“, eine Kurzvorstellung der Themen und Sprecher der IG’s. Jeder Vertreter durfte innerhalb 90 Sekunden seine Interessengruppe vorstellen – fast alle haben es in dieser kurzen Zeit auch geschafft.

Zu guter Letzt besuchten wir die Veranstaltung „Vernetzung vor Ort – Chance und Pflichten für den Buchhandel“. Auch hier wurde in einer Diskussion erörtert, wie wichtig Vernetzung mittlerweile geworden ist. Einen Anfang für uns stellt dabei das Nachwuchsparlament dar: Azubis aus der ganzen Buchbranche konnten sich an diesen drei Tagen anfreunden, austauschen und vernetzen!

Direkt nach der Veranstaltung ging es für mich zum Berliner Hauptbahnhof und mit dem ICE direkt nach Hause! Florian genoss noch ein bisschen die Berliner Stadtluft.

Fazit

Auch wenn die drei Tage sehr straff organisiert waren, wir viele neue Eindrücke und Erfahrungen in kurzer Zeit sammelten und noch mehr Informationen aufsogen, waren die Buchtage in Berlin unglaublich aufregend und lehrreich. Wir konnten so viel lernen, viele neue Leute kennen lernen und auch bei den ganz großen der Buchbranche mitmischen! Also: Unbedingt wieder! (http://www.boersenblatt.net/artikel-buchtage_berlin.1341374.html)

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4 Kommentare
  • Denise Anders
    26. Juni 2017

    Danke für den informativen und auch kritischen Bericht über die Buchtage in Berlin. Es freut mich, dass ihr dank eurer tollen Bewerbung am Nachwuchsparlament und den Buchtagen teilnehmenn durftet und eine so gute und lehrreiche Zeit hattet. Weiter so!

  • Ralf Weinmann
    26. Juni 2017

    Wow! Straffes Programm und ganz offensichtlich perfekte Kombination aus Content und Kost … Zwei Fragen drängen sich auf: 1. Was ist eine Conny-Party?, 2. Folgt ein Bericht über Florians Erlebnisse in der Berliner Stadtluft?

    • Nina Jourdan
      27. Juni 2017

      Ja, das war es wirklich, aber es hat sehr viel Spaß gemacht.
      Zu 1.: Bei einer Conni-Party geht es um die Kinderbücher über Conni; dann wird daraus vorgelesen, gemalt und gespielt. Sehr beliebt bei den Kindern, weshalb es sich super dafür eignet, diese in die Buchhandlung zu locken.
      Zu 2.: Das ist eine sehr gute Idee, da müssen wir ihn unbedingt mal fragen!

  • Brigitte Jetschina
    27. Juni 2017

    Sie erzählen so lebhaft, dass man fast das Gefühl hat, dabei gewesen zu sein (was ich dieses Jahr leider nicht konnte). Danke für den tollen Bericht und auch für das Feedback. Das Nachwuchsparlament ist wirklich eine großartige Einrichtung und wir möchten es nicht mehr missen.