Wussten Sie, dass die ursprünglichen CTP-Standards (das steht für „Computer to Plate“, also digitale Druckplattenbelichtung) so erstellt wurden, dass das Ergebnis dasselbe war, wie seinerzeit bei einer Kopie vom Film auf die Druckplatte? Tonwerte unter 3 Prozent konnten mit der Plattenbelichtung von Filmen nicht dargestellt werden. Bis heute simulieren wir also ein längst ausgedientes Verfahren, obwohl moderne Druckmaschinen eigentlich viel mehr können. Mit der neuen ISO-Norm 12647-2 wird das endlich anders.

Wir, Lena und Anna, waren bei der Firmengruppe Appl* zu Besuch und nahmen an einem Workshop zur neuen ISO-Norm teil. Gemeinsam mit den Buchherstellern und der Zeitschriftenherstellerin Stefanie Höhle, sowie Michael Seiler von TimeRay Visualisierungen, der den größten Teil der Repro für unsere Bücher übernimmt, fuhren wir im September 2015 zu Appl nach Wemding. Dort hielt Herr Martin, der bei Appl unter anderem die Mediengestalter ausbildet, eine praxisnahe und sehr anschauliche Präsentation über die neue ISO-Norm für uns. Er ging auch auf Rasterung, Proofs und die Geschichte des PDFs ein, was für uns Azubis besonders wichtig war, da diese Themen gern in der Abschlussprüfung abgefragt werden.

Was ändert sich durch die neue Norm?

Papiertypen

Die Papiertypen wurden neu definiert. Sie nennen sich jetzt Print Substrate, und es gibt nicht mehr fünf sondern acht verschiedene. Die Neudefinition wird benötigt, da in den meisten Papiersorten seit einiger Zeit optische Aufheller verwendet werden. Diese funktionieren nach dem Prinzip der Lichtwandlung: Licht, das eigentlich im für Menschen unsichtbaren UV-Bereich liegt, wird ins Auge reflektiert und dadurch sichtbar gemacht. In Folge dessen erscheint das Papier heller und bläulich. Auch die Proof-Substrate müssen angepasst werden, denn auch im Proof-Papier müssen optische Aufheller enthalten sein, um das Druckergebnis korrekt simulieren zu können.
Während des Workshops fiel uns schnell auf, weshalb wir bei manchen Zeitschriften in der Bildbearbeitung einen höheren Gelbanteil im Bild brauchen: Durch die optischen Aufheller, die das Papier blauer erscheinen lassen, werden Teile des Gelbs sozusagen „verschluckt“. Anhand dieses Beispiels konnten wir direkt Theorie und Praxis miteinander verknüpfen.

Messtechniken

Gleichzeitig müssen die Vorgaben für Messtechnik und Licht angepasst werden: Das neue Normlicht muss UV-Licht aussenden können, die Messgeräte müssen es messen können. Ansonsten hätten wir unter Normlicht ein anderes Ergebnis als unter natürlichem Licht.

Tonwertzunahmen

Weiterhin brauchen wir Zuwachskurven der Tonwerte für die neuen Print Substrate. Es wird beim Plattenbelichten kein Film mehr simuliert, das bedeutet: Auch sehr kleine Rasterpunkte sind druckbar und alles kommt erst mal dunkler heraus. Die Schwierigkeit liegt hier vor allem in der Kommunikation, denn wenn die Repro prooft und nach neuen Standards korrigiert, die Druckerei davon jedoch nichts weiß, kann es zur „doppelten Tonwertreduktion“ kommen und die Bilder werden infolgedessen viel zu hell.

Zusammengefasst kann man sagen: Die neue ISO-Norm stellt eine Verbesserung, aber gleichzeitig auch eine große Herausforderung für Repro und Druckereien dar. Es muss in neue Technik und neues Proof-Papier investiert werden, gleichzeitig eröffnen sich aber auch mehr Möglichkeiten in der Bildbearbeitung. Spannende Zeiten liegen also vor uns.

An dieser Stelle möchten wir uns noch einmal bei den Herren Kemmer, Hümmer, Färber und Martin für den Workshop und die anschließende Führung bedanken – ein Besuch bei Appl ist die Reise immer wert!

 

// Anna Zeller

 

* Die Geschichte der Firmengruppe Appl beginnt mit der Übernahme einer kleinen Regionalzeitung im Jahr 1899. Mit dem Werkdruck wurde 1947 begonnen, im Jahr 1968 stieg Appl schließlich in den Bogenoffsetdruck ein. 1984 folgte die erste Rollenoffsetmaschine. In den darauffolgenden Jahren übernahm Appl mehrere Kleindruckereien. Seit der Übernahme einer Buchbinderei im Jahr 2006 fungiert die Firmengruppe Appl als Gesamtdienstleister in der Buchproduktion. Derzeit verfügt die Druckerei über 13 Rollenoffsetmaschinen, 10 Bogenoffsetmaschinen, 2 Digitaldruckmaschinen, 6 Tiefdruckmaschinen und 57 Weiterverarbeitungsaggregate. Bei Appl werden täglich 800 Tonnen Papier verarbeitet, das entspricht 230.000 Tonnen im Jahr. Im Rollenoffset und Tiefdruck werden täglich 500 Millionen Seiten bedruckt. Mehr Infos unter http://www.appl.de.

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1 Kommentar
  • Inge Ellenberger
    20. September 2016

    Diese Seite (übrigens auch die übrigen Seiten dieses Blogs) waren so spannend und aufschlussreich zu lesen und in jeder Weise informativ, speziell für einen Außenstehenden, dass ich beim Lesen komplett die Zeit vergaß. Ich werde auf jeden Fall auch weiterhin diesen Blog verfolgen und freue mich auf die zukünftigen Einblicke. Viel Glück allen Azubis des Ulmer-Verlags – während der Ausbildungszeit und anschließend im Leben.
    I.E.