Literaturrunde „Der Märchenerzähler“



In der letzten Literaturrunde haben wir das Buch „Der Märchenerzähler“ von Antonia Michaelis gelesen. Das Buch wurde 2011 veröffentlicht und ist ein Jugendbuch.

Die Handlung

Das Buch handelt von den Teenagern Anna und Abel, beide sind 17 Jahre alt und stehen kurz vor den Abiturprüfungen. Abel Tannatek bekommt in der Schule den Spitznamen „polnischer Kurzwarenhändler“ und dealt mit Drogen. Anna kommt aus einer wohlbehüteten Familie und führt ein gutes Leben. Nachdem Anna die Puppe von Abels kleiner Schwester im Klassenzimmer findet, versucht sie ihm näherzukommen. Abel erzählt seiner kleinen Schwester Micha jeden Tag ein Stück von einem Märchen. Bald schon verbringt Anna immer mehr Zeit mit Abel und Micha und wird ein Teil dieses Märchens. Abel versucht nach dem Verschwinden seiner Mutter für sich und seine Schwester zu sorgen. Es ist gezwungen, Geld auf illegale Weise zu beschaffen und dealt deshalb mit Drogen. Die beiden wohnen in sehr ärmlichen Verhältnissen und sind auf sich allein gestellt. Obwohl Abel sehr in sich gekehrt ist und alle Anna vor ihm warnen, verlieben sie sich trotzdem ineinander. Diese Liebe ist von Anfang an zum Scheitern verurteil, weil hier zwei Welten aufeinanderprallen. Anna zieht sich immer mehr von ihrem Umfeld zurück und taucht voll und ganz in die Welt von Abel und Micha ein. Als in der Geschichte die Insel des Mörders auftaucht und kurz darauf Menschen aus dem Umfeld von Abel und Micha sterben, muss Anna sich fragen, ob hinter der Geschichte nicht ein Funken Wahrheit steckt. Man erkennt nach und nach immer mehr, dass diese Geschichte kein gutes Ende nehmen wird.

Figuren

Abel Tannatek muss sich nach dem Verschwinden seiner Mutter um seine kleine Schwester kümmern. Er wurde als Jugendlicher von seiner Mutter im Stich gelassen und hatte es nicht immer leicht. Abel würde alles für seine Schwester tun und versucht, ihr ein gutes Leben zu ermöglichen. Teilweise wirkt er sehr erwachsen, kämpferisch und selbständig und im nächsten Moment ist er überfordert. Er nimmt keine Hilfe von Fremden an, auch nicht die von Anna. Sein schweres Schicksal berührt einen und man empfindet Mitleid mit ihm. Nachdem er Anna etwas Schlimmes antut, bekommt man als Leser jedoch ein vollkommen anderes Bild von ihm.

Anna Leemann ist das komplette Gegenteil von Abel. Sie wächst in einer intakten Familie auf und ihr hat es nie an elterliche Zuneigung gefehlt. Sie ist eine Person mit klaren Vorstellungen und einer festen Lebensplanung. Als sie Abel kennenlernt, gerät ihr Leben völlig durcheinander. Trotz der vielen Warnungen ihrer Freunde und Eltern verliebt sie sich in ihn. Auch nachdem Abel ihr etwas Unverzeihliches antut, hält sie weiter zu ihm und erzählt es keinem. Sie erscheint sehr naiv und unreif.

Micha, die kleine Schwester von Abel, ist ein fröhliches Kind. Sie klammert sich an ihren Bruder und freut sich immer auf das Märchen. Obwohl sie noch ein Kind ist, begreift sie, dass die Geschichte ihr Leben schildert.

Fazit

Der Erzählstil von Antonia Michaelis ist rhythmisch und leicht zu lesen. Zum Großteil schreibt sie aus der Sicht von Anna. Als Leser ist man gefesselt und kann das Buch kaum aus der Hand legen. Schon am Anfang wird klar, dass das Märchen kein gutes Ende nehmen wird. Das Buch ist sehr berührend geschrieben und man hat ab und zu Tränen in den Augen. Dieses Buch ist kein typischer Roman, es spricht brisante Themen wie z.B. Vorurteile, Prostitution, Vergewaltigungen, körperliche Gewalt, Missbrauch, Kriminalität und Mord an. Mich persönlich stört, dass Anna so schwach dargestellt wird. Obwohl sie nach und nach von Abels dunkler Seite erfährt, unternimmt sie nichts und lässt sich schlecht behandeln. Die Botschaft, die das Buch übermittelt, lässt sehr zu wünschen übrig. Vor allem junge Leser sollten dieses Buch nicht unreflektiert lesen. Weder Abel noch Anna sind Personen, mit denen sich Jugendliche identifizieren sollten. Das Buch wühlt einen auf und man muss lange danach noch daran denken.

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