Literaturrunde: Die Känguru-Chroniken

Die Känguru-Chroniken von Marc-Uwe Kling

Ein Mensch mit „Mach doch – mir egal“-Einstellung und ein kommunistisches, faules, revolutionäres aber absolut unproduktives Känguru, welches nichts mehr hasst als den Kapitalismus, aber seine eigene 0190-Nummer hat, treffen in diesem Buch aufeinander. Klingt kurios. Ist es auch.
Marc-Uwe Kling, sowohl Autor als auch Erzähler, lebt als Kleinkünstler in Berlin Kreuzberg. Eines Tages steht ein kommunistisches Känguru vor seiner Tür, wenig später ist es bei ihm eingezogen. In Form einer Sammlung von kurzen Ausschnitten aus dem gemeinsamen Alltag (ursprünglich auf Radio Fritz als Podcasts ausgestrahlt) erlebt das Duo die verrücktesten Geschichten. In einem Kapitel organisiert das Känguru eine Demo bei schlechtem Wetter, „damit die Bullen mal so richtig nass werden“, um nur ein Beispiel zu nennen.

Geschrieben ist die skurrile Geschichte sehr leicht, mit viel Slapstick-Comedy und dennoch wahnsinnig gesellschaftskritisch. So setzt sie trotz des leicht bekömmlichen Schreibstils eine gewisse politische, wirtschaftliche und vielleicht auch literarische Bildung des Lesers voraus.

Nicht alle Teilnehmer unserer Literaturrunde konnten sich gleichermaßen für das Buch begeistern. Viele (teilweise extreme) Aussagen, die in „Die Känguru-Chroniken“ gemacht werden, müssen mit einem Augenzwinkern gelesen werden, und das sagte nicht jedem zu. Das Hörbuch allerdings hatte seinen ganz eigenen Charme: Als einer der besten deutschen Poetry-Slammer bringt Marc-Uwe Kling bei seiner Live-Lesung viele Stellen ganz anders (und noch viel lustiger) rüber, als man sie beim Lesen selbst verstanden hatte.

Erschienen ist das Buch 2009 im Ullstein-Verlag. Mittlerweile sind auch Teil 2, „Das Känguru-Manifest“ (2011), und Teil 3, „Die Känguru-Offenbarung“ (2014) im Handel erhältlich.

// Anna Zeller

Was sagst du dazu?

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

1 Kommentar
  • Werner Baumeister
    13. Juli 2015

    Hab das Buch auch gelesen. Am besten fand ich die Stelle, wo das Känguru im Park den kleinen Hund eines üblen Burschen mit Schmackes ins Gebüsch wirft, der Kollege bewundernd sagt: „GuterWurf“, und das Känguru dann emotionslos antwortet (in etwa, aus der Erinnerung): Die ohne Haare fliegen besser!“

    Weiter so!

    Gruß WB