„Das Shen-Fieber ist eine neuartige Pilzinfektion. Man bekommt es durch Einatmen mikroskopisch kleiner Pilzsporen. Diese breiten sich von der Lunge auf andere Organe, üblicherweise das Gehirn, aus.
Frühe Symptome beinhalten Gedächtnislücken, Kopfschmerzen, Desorientiertheit, Atemnot und Müdigkeit. Da diese Symptome oft irrtümlich für eine normale Erkältung gehalten werden, ist den Patienten häufig nicht bewusst, dass sie am Shen-Fieber leiden. 
Da diese Sporen nicht wahrnehmbar sind, ist es schwer, Gegenden zu meiden, in denen es bereits in die Umwelt eingedrungen ist. Allerdings ist die Infektion nicht von Mensch zu Mensch übertragbar. Benutzen Sie in geschlossenen Räumen Luftfilter und eine N95-Maske, um mögliche Übertragungen zu reduzieren. Das Shen-Fieber resultiert schließlich in einem tödlichen Bewusstseinsverlust.“
(Mischung aus Zitat und Zusammenfassung der Seiten 183f.)

Wie bekannt einem in diesen Zeiten einiger dieser Worte vorkommen und doch ist das Buch vor Corona erschienen.

 

Buchinhalt

Routinierte Vergangenheit

Candace Chen lebt in der USA und ist die Tochter ihrer verstorbenen Eltern, Einwanderer aus China, deren einziger Wunsch war, dass sie zu etwas nützlich ist. Sie hatte einen Job in New York bei einem Verlag, der Themenbibeln in Billiglohnländern wie Asien herstellt. Ihre Aufgabe war es, Aufträge zu koordinieren. Ihr Alltag und ihre Arbeit gaben ihrem Leben Routine – ihr Lebenssinn.

Grausame Gegenwart

Doch mit den Schiffen der importierten Ware kommt auch das von der Autorin erfundene Shen-Fieber in den Staaten an. Zuerst bemerkt die Protagonistin nichts von den Veränderungen in ihrer Umwelt. Sie ist in ihrem Alltagstrott eingebunden und gefangen. Ihr Freund Jonathan, der den Kapitalismus und zugleich Verantwortung verabscheut, hat NY bereits verlassen. Aus diesem Grund hat sie ihm verschwiegen, dass sie von ihm schwanger ist. Sie ging weiterhin zur Arbeit, ja, zog sogar in Ihr Büro, als schon alle anderen gesunden Menschen aus NY geflohen sind. Als Bloggerin mit dem Decknamen New York Ghost dokumentiert sie die verlassene Stadt. Doch dann flieht auch sie und schließt sich einer kleinen Gruppe Überlebender an, einer Sekte, die leerstehenden Gebäude plündert und die noch lebende Kranke – die „Fiebernden“ – erschießt. Doch nach und nach erkranken auch diese Mitglieder. Sogar ihr selbst ernannter Anführer Bob, der Candace zuletzt eingesperrt hatte, um angeblich sie als Schwangere zu schützen und somit die Existenz aller zu sichern.

Ungewisse Zukunft

Der Roman endet jedoch mit einer Autofahrt – einer Flucht ins ungewisse, fest davon überzeugt, nur so ihrem ungeborenen Kind eine Zukunft ermöglichen zu können.

 

Worüber wir gesprochen haben

Das Warum und das Wie bleibt der Fantasie des Lesers überlassen

Das Buch hat einen offenen Schluss. Darüber hinaus konnten wir keine wirkliche Lernkurve im Leben der Hauptfigur erkennen. Eine frustrierende Erkenntnis, denn so bleibt am Ende völlig offen, warum die Seiten davor geschrieben wurden. Was will uns die Autorin damit sagen? Warum hält die Protagonistin an einem Job fest, der ihr eigentlich keinen Spaß macht und der Menschen ausbeutet, die ihre Vorfahren sein könnten? Warum versucht sie nicht zumindest, ihrem Freund zu sagen, dass sie schwanger ist und so Hilfe für ihr Kind zu bekommen? Wie stellt sich Candace vor, allein in einer ausgestorbenen und verrotteten Welt ohne Hilfe ihr Kind großzuziehen?
Die schockierenden Tötungen der Fiebernden, das Leid, welches sie sieht, ihre Dauerschleife-Routine der Arbeit, all das reflektiert sie in keinster Weise.
Wahrscheinlich soll es ein Stilmittel sein, doch ohne eine erkennbare Lernkurve oder ein reflektiertes Denken der Hauptfigur, lässt die Autorin den Leser schockiert, deprimiert und mit lauter offenen Fragen zurück.
Vor allem in Zeiten von Corona fällt es nicht gerade leicht, dieses Buch zu lesen. Das Leid, das die Protagonistin erleben muss und zum Teil auch selbst verursacht drückt auf die Stimmung.

Die sprachlichen Aspekte

Sprachlich ist das Buch jedoch leicht zu lesen und der Wechsel zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart abwechslungsreich. Man erfährt vieles erst am Schluss.
Interessant sind auch die vielen Parallelen zur Corona-Pandemie. Der Wortschatz reicht schon hier von N95-Maske über Homeoffice, Reisesperren bis hin zu Lieferengpässen und Quarantäne.

Das waren die Aspekte und Meinungen, die in unserer Literaturrunde überwogen haben. Jedoch fanden manche von uns den offenen Schluss und das Buch als Gesamtwerk ganz gut.

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